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Meine große Leidenschaft: Das Pfeifen. Dazu gekommen bin ich eher durch eine Verkettung verschiedener Umstände. Ursprünglich habe ich meine Schiesdrichter-Lizenz nur gemacht, weil ich diese früher in Thüringen für den Trainerschein benötigte. Also fuhr ich damals mit meiner besten Freundin im Schlepptau zu einem Wochenend-Lehrgang für den sogenannten Basis-Schein. Nach diesen zwei Tagen wurde ich auf die Basketball-Welt losgelassen und hätte nach meinem ersten Spiel am liebsten sofort wieder aufgehört. Ich wurde von Männern jenseits der 40 auf dem Feld zusammengefaltet, so dass mein Kollege am Ende zwei Spieler der Halle verweisen musste. Aufgeben hat jedoch noch nie so ganz zu meinen Stärken gehört und somit probierte ich es weiter. Und was soll ich sagen, das viele Anschreien hat auf jeden Fall den Charakter gebildet.

Ein halbes Jahr später bestand ich dann den Lehrgang für die Schiedsrichter-Lizenz, ganz früher hieß das mal C-Lizenz. Inzwischen hat es sicher wieder einen anderen Namen, da dieser sich gefühlt alle 5 Jahre ändert. Nach und nach fand ich tatsächlich so etwas wie Gefallen an dem Dasein als Schiedsrichter und besserte mir damit auch neben der Schule mein Taschengeld auf. Schon damals konnte ich nicht so richtig beantworten, warum ich gern Schiedsrichter war. So viel sei schon vorab verraten: Ich kann es bis heute nicht.

Nach meiner Schulzeit und dem Studium kehrte ich dem Pfeifen nach und nach den Rücken zu. Zum einen hatte ich einfach nicht mehr so viel Freizeit wie als Schüler, zum anderen merkte ich, dass es mir immer weniger Freude bereitete, meine Wochenenden damit zu verbringen, mich auf dem Spielfeld von Spielern anmotzen zu lassen. Und so hängte ich 2011 meine Pfeife wortwörtlich an den Nagel.

Ich genoss es, nicht mehr diese unvorteilhaften Klamotten tragen zu müssen und am Wochenende nur noch als Spieler in der Halle zu stehen. Das ging genau 2 Jahre lang so. Nach einem Bundesliga-Spiel der Rollis in Wetzlar war ich noch mit einem der Schiedsrichter was trinken und irgendwie kamen wir darauf, dass ich früher Basketball-Schiedsrichter war. Er witterte sofort seine Chance und fragte, ob ich nicht Lust hätte, Rollstuhlbasketball zu pfeifen. Zu Beginn fand ich diesen Gedanken nicht besonders reizvoll, je länger wir uns unterhielten, desto mehr erwachte jedoch der Schiedsrichter in mir. Mit diesem Gespräch war der Grundstein gelegt. Bei der nächsten Fortbildung für die Oberliga war ich am Start und wurde gleich ins kalte Wasser geschmissen. Das gelang zu meiner Überraschung ganz gut und so startete ich in der Saison 2014/2015 in der Oberliga und Regionalliga Mitte. Ich fühlte mich sofort wieder wohl auf dem Feld und auch die meckernden Spieler hielten sich im Rahmen. Grundsätzlich kam mir das Ganze Umfeld sofort viel familiärer als im Basketball vor und an dieser Aussage halte ich bis heute fest.

Nach meiner ersten Saison kam der überraschende Aufstieg in die 2. Bundesliga, ein total überwältigender Moment für mich. Das hätte ich nur wirklich nicht erwartet. Ich hatte wieder Spaß am Pfeifen gefunden, ich durfte tolle Kollegen und Mannschaften kennen lernen und die bisherige Krönung war das Freundschaftsspiel zwischen den deutschen Damen und den USA, welches ich 2016 in Frankfurt pfeifen durfte.